Wer macht was mit dem Web - und was macht das Web mit uns? - Teil 3
International Users and Uses of the Internet
Die von Netlab im Jahr 2000 durchgeführte Studie auf der National Geographic-Homepage beschäftigte sich auch mit der Frage. von wem - und in welchen Ländern - das Internet überhaupt benutzt wird. Drei Dinge wurden hier deutlich:
1. Das Internet wird weltweit in etwa zu den gleichen Zwecken benutzt, aber nicht von der gleichen Sorte Menschen: Während das Netz in den Staaten inzwischen von einer breiten Bevölkerungsgruppe genutzt wird, gehören die meisten User in anderen Ländern meistens einer Bildungselite an.
2.Amerikaner sind länger online als der Rest der Welt, aber überall gilt: Je mehr Erfahrungen die User mit dem Netz sammeln, desto mehr Zeit verbringen sie darin.
3. Das Internet trennt seine Benutzer nicht vom wahren Leben, sondern verbindet sie mit Freunden und Verwandten als ein neuer Kommunikationskanal.
Eine Ausnahme dieser Regel ist beispielsweise Katalonien: Hier findet kaum Internetkontakt mit Nachbarn, Freunden oder Verwandten statt, außer wenn diese sehr weit entfernt wohnen. Persönliche Kontakte sind umso wichtiger, was die Autoren mit der räumlichen Nähe begründen.
Ein krasser Gegensatz dazu findet sich in Japan, wo Kommunikation via Internet nicht nur am PC, sondern vor allem mit dem Handy stattfindet - und zwar immer und überall. Die Ursache darin liegt in der räumlichen Trennung der Menschen.
The Rise of Networked Individualism
Für die Macher der Studie ist das Internet kein Konkurrenzprodukt zur "realen Welt", sondern eine willkommene Ergänzung, die Veränderungen kanalisiert, die auch ohne das WWW stattgefunden hätten - zum Beispiel, was den Übergang von einer "Gruppengesellschaft" zu einer vernetzten Gesellschaft angeht. Der Einzelne geht jedoch nicht im Netzwerk verloren, sondern spielt darin eine größere Rolle als früher: Er nimmt selbst Kontakt zu anderen auf, und zwar alleine, ohne die eigene Gruppe im Schlepptau zu haben (Familie, Freunde...).
Citizenship in a Networked Society
Die Veränderungen, die das Internetzeitalter mit sich bringt, betreffen die ganze Gesellschaft - und die Frage, wie man sich als Mensch in ihr definiert. Dank des Internet kommunizieren wir mehr miteinander, aber nicht zwangsläufig im inhaltsleeren SMS-Stil. Die digitalen Botschaften werden dazu auch noch schneller
übertragen, und zwar auch über enorm große Strecken. Andererseits verlieren feste Bezugsgruppen wie die Familie oder Nachbarn an Bedeutung - mit ihnen hat man nur dann Kontakt, wenn man will oder unbedingt muss. Statt zu einer "großen" Gesellschaft zu gehören, sieht sich ein Internetuser als Mitglied vieler kleiner Gesellschaften. Auch diese
"Sub-Networks" haben Einfluss: Zum Beispiel sprachen sich philippinische Demonstranten per SMS ab, bevor sie auf die Straße zogen. Der "elektronische" Staatsbürger von Morgen ist also eher global vernetzt als lokal eingebunden. Für Politiker heißt das zum Beispiel, dass sie nicht im Interesse einer bestimmten Gemeinde handeln, sondern sich nach Interessengemeinschaften richtigen müssen. Auch Regierung und Demokratie müssen den Wandel zur vernetzten Gesellschaft überstehen, damit sie mit der vernetzten Gesellschaft von Morgen mithalten können.
Die von Netlab im Jahr 2000 durchgeführte Studie auf der National Geographic-Homepage beschäftigte sich auch mit der Frage. von wem - und in welchen Ländern - das Internet überhaupt benutzt wird. Drei Dinge wurden hier deutlich:
1. Das Internet wird weltweit in etwa zu den gleichen Zwecken benutzt, aber nicht von der gleichen Sorte Menschen: Während das Netz in den Staaten inzwischen von einer breiten Bevölkerungsgruppe genutzt wird, gehören die meisten User in anderen Ländern meistens einer Bildungselite an.
2.Amerikaner sind länger online als der Rest der Welt, aber überall gilt: Je mehr Erfahrungen die User mit dem Netz sammeln, desto mehr Zeit verbringen sie darin.
3. Das Internet trennt seine Benutzer nicht vom wahren Leben, sondern verbindet sie mit Freunden und Verwandten als ein neuer Kommunikationskanal.
Eine Ausnahme dieser Regel ist beispielsweise Katalonien: Hier findet kaum Internetkontakt mit Nachbarn, Freunden oder Verwandten statt, außer wenn diese sehr weit entfernt wohnen. Persönliche Kontakte sind umso wichtiger, was die Autoren mit der räumlichen Nähe begründen.
Ein krasser Gegensatz dazu findet sich in Japan, wo Kommunikation via Internet nicht nur am PC, sondern vor allem mit dem Handy stattfindet - und zwar immer und überall. Die Ursache darin liegt in der räumlichen Trennung der Menschen.
The Rise of Networked Individualism
Für die Macher der Studie ist das Internet kein Konkurrenzprodukt zur "realen Welt", sondern eine willkommene Ergänzung, die Veränderungen kanalisiert, die auch ohne das WWW stattgefunden hätten - zum Beispiel, was den Übergang von einer "Gruppengesellschaft" zu einer vernetzten Gesellschaft angeht. Der Einzelne geht jedoch nicht im Netzwerk verloren, sondern spielt darin eine größere Rolle als früher: Er nimmt selbst Kontakt zu anderen auf, und zwar alleine, ohne die eigene Gruppe im Schlepptau zu haben (Familie, Freunde...).
Citizenship in a Networked Society
Die Veränderungen, die das Internetzeitalter mit sich bringt, betreffen die ganze Gesellschaft - und die Frage, wie man sich als Mensch in ihr definiert. Dank des Internet kommunizieren wir mehr miteinander, aber nicht zwangsläufig im inhaltsleeren SMS-Stil. Die digitalen Botschaften werden dazu auch noch schneller
übertragen, und zwar auch über enorm große Strecken. Andererseits verlieren feste Bezugsgruppen wie die Familie oder Nachbarn an Bedeutung - mit ihnen hat man nur dann Kontakt, wenn man will oder unbedingt muss. Statt zu einer "großen" Gesellschaft zu gehören, sieht sich ein Internetuser als Mitglied vieler kleiner Gesellschaften. Auch diese
"Sub-Networks" haben Einfluss: Zum Beispiel sprachen sich philippinische Demonstranten per SMS ab, bevor sie auf die Straße zogen. Der "elektronische" Staatsbürger von Morgen ist also eher global vernetzt als lokal eingebunden. Für Politiker heißt das zum Beispiel, dass sie nicht im Interesse einer bestimmten Gemeinde handeln, sondern sich nach Interessengemeinschaften richtigen müssen. Auch Regierung und Demokratie müssen den Wandel zur vernetzten Gesellschaft überstehen, damit sie mit der vernetzten Gesellschaft von Morgen mithalten können.
Doc_Snuggles - 30. November, 13:26
Trackbacks zu diesem Beitrag
channelshift.twoday.net - 30. November, 13:41
Das etwas andere Netzwerk
Weltweite Netzwerke, in denen der... [weiter]
Doc_Snuggles - 30. November, 13:44
Kritik
Dass sich unser Staat der neuen, vernetzten Gesellschaft anpasst, glaube ich erst dann, wenn ich es sehe.
Davon abgesehen glaube ich schon, dass das Internet andere Medien ersetzt - seit ich Emails schreibe, habe ich z.B. keinen einzigen Brief an Freunde mehr aufgesetzt. Wozu auch? :-)
Der Wandel zur vernetzten Gesellschaft ist für mich als Saarländer natürlich nicht so allgegenwärtig...
Davon abgesehen glaube ich schon, dass das Internet andere Medien ersetzt - seit ich Emails schreibe, habe ich z.B. keinen einzigen Brief an Freunde mehr aufgesetzt. Wozu auch? :-)
Der Wandel zur vernetzten Gesellschaft ist für mich als Saarländer natürlich nicht so allgegenwärtig...
0700fabsen00 - 30. November, 17:40
Der Wandel der Gesellschaft ist mit dem Generationswechsel eng verwoben, und daher recht langwierig.
Und wenn die Gesellschaft das Internet als immer wichtiger werdendes Medium akzeptiert, bleibt dem Staat, der auf die Partizipation des einzelnen angewiesen ist, nichts anderes übrig, als sich diesem Trend ebenfalls zu ergeben.
Und wenn die Gesellschaft das Internet als immer wichtiger werdendes Medium akzeptiert, bleibt dem Staat, der auf die Partizipation des einzelnen angewiesen ist, nichts anderes übrig, als sich diesem Trend ebenfalls zu ergeben.
freshjive - 1. Dezember, 17:07
Welche Probleme Staaten/ Regierungen mit Vernetzung haben ziegt sich ja an ganz vielen Stallen. Der Staat ist auf ein territorial klar abgrenzbares Gebiet ausgerichtet, entsprechend hierarchisch ist die Organisation der Stattes und dessen Institutionen ausgelegt. Mal eben flexibel umzustellen geht so wenig wie mal eben so nebenbei einen U-Turn mit der Queen-Mary 2 hinzulegen... ;-)
Katrin (Gast) - 2. Dezember, 18:28
Weihnachtsrätsel
Hi Britta! Ich beziehe meinen Kommentar eigentlich nicht direkt auf Deinen Eintrag, sondern auf das Weihnachtsrätsel. Codewort: Clausewitz. Glaub ich jedenfalls. :)
Aber den Beitrag finde ich trotzdem sehr interessant, besonders dieses Kontaktaufnehmen "ohne die eigene Gruppe im Schlepptau". Hatte ich noch nie drüber nachgedacht, stimmt aber.
Liebe Grüße, Katrin
Aber den Beitrag finde ich trotzdem sehr interessant, besonders dieses Kontaktaufnehmen "ohne die eigene Gruppe im Schlepptau". Hatte ich noch nie drüber nachgedacht, stimmt aber.
Liebe Grüße, Katrin
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